Private Vita

Meine Frau Jana und ich sind in Gera geboren und aufgewachsen, sozusagen waschechte Gersche Fettguschen. Die meiste Zeit unseres Lebens verbrachten wir hier, konnten aber auch in andern Städten Erfahrungen sammeln. Wir sahen und sehen die großen Potenziale unserer Stadt und Region, bemerkten aber auch, wie wenig bewusst dies vielen Menschen ist.

Aufgrund unserer beruflichen Situation vor drei Jahren konnten wir viel zu wenig selbst etwas in Gera tun, Jana arbeitete in Jena, ich war auch selten genug „nah dran“.

Eine Eheschließung ist mehr als ein Ringtausch und ein Veranstaltung für die Verwandtschaft – sie war für uns auch ein „Seßhaftwerden“, eine Neubesinnung auf Heimat, Heimatstadt und heimisch sein. Was verband uns noch mit Gera, außer dass wir abends aus anderen Städten nach Hause kamen und es samstags mit Mühe mal in die Innenstadt schafften. Und dann: Was war eigentlich aus dieser Innenstadt geworden ?

So reifte der Gedanke, in Gera etwas zu machen, was auch für Gera und für uns ein kleiner Baustein hin zu mehr Initiative und Lebensqualität sein könnte:

Jana eröffnete so am 30.04.2007 mit der Hilfe Verwandter und Freunde den „Steinwegerich“, ein Fachgeschäft für Thüringer Produkte. Wir lernten bei der Vorbereitung Menschen in Thüringen kennen, die ohne zu jammern, beharrlich ihrem Handwerk nachgehen. Wir konnten uns in den kleinen Bauernhöfen, Werkstätten und Manufakturen umsehen und einen Eindruck gewinnen, was dazu gehört, dabei nicht den Mut zu verlieren, wenn die Gegenseite – die großen Billig-Discounter - ständig mit weiteren Preissenkungen dem einheimischen Klein- und Mittelstand immer stärker die Luft zum Atmen nehmen. Wir haben dabei erfahren, dass Einkaufen nicht nur eine Frage des Preises ist, sondern auch eine Frage der Qualität eines Produktes, aber auch, ob die Menschen als Kunden die Unternehmen zu Qualität zu fairen Preisen über ihr Einkaufsverhalten zwingen oder nicht. Das war schon spannend.

Eine zweite Überlegung – bei der Wahl des Standortes – stand und steht mit der ersten in Verbindung. Jana wollte in einer der ältesten Geraer Straßen, dem Steinweg, ihren Laden eröffnen, in einem Gründerzeithaus, welches alles bot, was Standortentscheidungen negativ ausgehen lässt: Straße mit erheblichem Leerstand im Gewerbe-und Wohnraumbereich; ungeklärte Zukunft wegen Verkaufsabsichten der Eigentümerin; kaum ein Mensch auf der Straße; Treppen im Ladeneingangsbereich und Treppen im Laden selbst; DDR-Standard von 1984 von vorn bis hinten und oben bis unten. Alle schlugen die Hände über dem Kopf zusammen...das hat uns gefallen.

Mittlerweile ist der Steinweg - auch dank der unermüdlichen Arbeit des Vereins „Ja für Gera“ mit der Einrichtung der Bürgergalerie und des Bürgertreffs wieder viel präsenter bei den Bürgern: eine wichtige Voraussetzung für die dringend notwendige Belebung der Innenstadt. Denn das gehört auch zu den Wahrheiten: Obwohl viele andere Städte auch größere Einkaufscenter auf der grünen Wiese oder im Zentrum bauen ließen, solch ein teilweise trostloses Bild wie viele Jahre in Gera gab es anderswo kaum. Wir wollen mit unserem Engagement einen Beitrag leisten, dass die Geraer Innenstadt wieder attraktiver für Einheimische und Touristen ist und wir wieder stolz auf unsere Stadt sind .

Es kam, wie es kommen musste: Wir haben mittlerweile „das Haus über dem Laden“ gekauft.

Wir haben mit der Sanierung unserer Wohnung Fachfirmen aus Gera und dem Saale-Holzland-Kreis beauftragt und sind begeistert vom Wohnen in der Innenstadt. Mal sehen, wann und wie es weitergeht – 4 Wohnungen sind noch im absoluten Rohbauzustand, im Treppenhaus könnte man DDR-Filme drehen, der Dachboden will gedämmt werden, irgendwann wird uns die ein oder andere Elektroleitung anspringen, die Fassade ist auch nicht zu unterschätzen...vielleicht kümmert sich unsere neue Mitbewohnerin drum: Seit dem 23.04.2009 sind wir nämlich noch stolze Eltern der kleinen Frida Charlotte und die genießt natürlich absoluten Vorrang. Alles andere wird nach und nach werden – der Anfang ist gemacht!